Cannabis-Wirkung: Rauscherlebnis & Einflussfaktoren

Einleitung: Die Wirkung von Cannabis bezeichnet die Vielzahl an Veränderungen, die Cannabis auf Psyche und Körper ausübt. Akut kann Cannabis unter anderem Rauschgefühle hervorrufen – dazu zählen Euphorie, Entspannung und eine stimmungsaufhellende Wirkung1. Gleichzeitig beeinflusst es körperliche Funktionen (z. B. Herzfrequenz, Koordination, Wahrnehmung). Welche Effekte im Einzelfall auftreten, variiert jedoch stark. Wichtige Einflussfaktoren sind die Dosis bzw. der THC-Gehalt, das Verhältnis von THC zu CBD, die Konsumform (z. B. Rauchen vs. Essen), sowie individuelle Faktoren wie Toleranz, momentane psychische Verfassung und Umgebung (Stichwort Set und Setting)1. Dieser Artikel erklärt die biologischen Grundlagen der Cannabis-Wirkung und beleuchtet sowohl medizinisch erwünschte Effekte als auch erwünschte Wirkungen im Freizeitkontext. Zudem werden gängige Vorstellungen über Unterschiede zwischen Sativa- und Indica-Sorten hinterfragt und die wichtigsten Einflussfaktoren zusammengefasst.

Das Endocannabinoid-System

Die Wirkweise von Cannabis beruht auf dem endogenen Cannabinoid-System des menschlichen Körpers. Dieses Endocannabinoid-System (ECS) umfasst spezifische Rezeptoren (vor allem CB1 und CB2) sowie körpereigene Cannabinoide (Endocannabinoide). CB1-Rezeptoren sitzen überwiegend im Gehirn und Nervensystem (insbesondere in Regionen für Bewegung, Gedächtnis und Motivation), während CB2-Rezeptoren vor allem mit Zellen des Immunsystems assoziiert sind2. Wenn Δ9-Tetrahydrocannabinol (THC) – der wichtigste psychoaktive Inhaltsstoff von Cannabis – konsumiert wird, bindet es als Agonist an die Cannabinoid-Rezeptoren und aktiviert sie1. Auf diese Weise imitiert THC die körpereigenen Endocannabinoide (z. B. Anandamid) und löst eine Kaskade von Signalprozessen aus, welche die Cannabis-Wirkung vermitteln. Cannabidiol (CBD) bindet nur mit geringer Affinität an CB1/CB2 und beeinflusst das Endocannabinoid-System überwiegend indirekt22.

Über das ECS erklärt sich, warum Cannabis vielfältige Wirkungen zeigt: Die Aktivierung von CB1-Rezeptoren durch THC führt u. a. zur Freisetzung von Dopamin im Gehirn und beeinflusst Prozesse wie Appetit und Stimmung2. Allerdings reagiert das Cannabinoid-System individuell unterschiedlich – so hängt die Art der psychoaktiven Wirkung von Dosis und Person ab. Beispielsweise kann THC sowohl Glücksgefühle (Euphorie) auslösen, als auch Angstzustände fördern2. Zudem vermindert häufige THC-Stimulation die Empfindlichkeit der CB1-Rezeptoren, was zur Toleranzentwicklung führt2.

Cannabis im Freizeitkontext

Im Freizeitkonsum von Cannabis stehen die psychoaktiven Effekte („High“) im Vordergrund. Viele Konsumierende nutzen Cannabis gezielt zur Stimmungsverbesserung und Entspannung. Typischerweise erzeugt THC in niedriger bis moderater Dosierung ein Gefühl von Gelassenheit und Euphorie, oft begleitet von einem veränderten Zeitempfinden. Gleichzeitig kann Cannabis den Stresspegel subjektiv senken und für ein vorübergehendes Gefühl der Entschleunigung sorgen. Diese entspannenden und euphorisierenden Wirkungen sind durch Studien gut dokumentiert1. So berichten Freizeitanwender häufig, Cannabis helfe ihnen beim Stressabbau nach der Arbeit und fördere ein Gefühl von Glückseligkeit oder angenehmer Benommenheit.

Ein weiterer von Konsumenten geschätzter Effekt ist eine angeblich steigende Kreativität unter Cannabiseinfluss – viele Künstler und Musiker beziehen sich darauf. Wissenschaftlich ist dieser Aspekt allerdings umstritten. Untersuchungen zeigen, dass Cannabiskonsumenten sich subjektiv oft kreativer fühlen, objektive Kreativitätstests jedoch keine klare Leistungssteigerung gegenüber Nicht-Konsumenten ergaben4. Cannabis erzeugt in erster Linie ein entspannt-euphorisches Rauscherlebnis; doch ob es die Kreativität fördert, ist wissenschaftlich nicht belegt.

Hinweis: Die angenehmen Wirkungen von Cannabis im Freizeitkontext hängen stark von der Dosis und der Umgebung ab. Bei zu hoher THC-Menge oder ungünstigem Setting kann es statt Entspannung auch zu Unruhe, Paranoia oder Panik kommen. Unerfahrene Konsumenten sollten daher vorsichtig dosieren („Start low – go slow“), um negative Erfahrungen zu vermeiden. Für mehr Informationen zu Cannabis-Risiken, besuche die Seite Cannabis-Risiken.

Medizinische Wirkung von Cannabis

Seit der Legalisierung von medizinischem Cannabis 2017 in Deutschland wird die therapeutische Wirkung von Cannabis bei verschiedenen Krankheiten erforscht. In folgenden Anwendungsbereichen liegen teils evidenzbasierte Hinweise auf einen Nutzen vor (wenn auch mit moderater Evidenz und oft als Therapie zweiter oder dritter Wahl):

  • Chronische Schmerzen: Insbesondere bei neuropathischen Schmerzen (Nervenschmerzen) haben Metaanalysen eine moderate Schmerzlinderung durch Cannabispräparate gezeigt3. Medizinisches Cannabis kann die wahrgenommene Schmerzintensität verringern und z. B. schmerzbedingte Schlafstörungen mildern. Vollständige Schmerzfreiheit wird jedoch selten erreicht. Bei Tumorschmerzen deuten Studien ebenfalls auf eine bessere Wirksamkeit im Vergleich zu Placebo hin3. In Leitlinien wird Cannabis bei chronischen Schmerzen meist als Ergänzung erwogen, wenn Standardtherapien unzureichend wirken.
  • ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung): Die Evidenzlage ist hier sehr dünn. Einzelfallberichte und eine kleine Pilotstudie (30 Erwachsene) mit einem THC/CBD-Mundspray (Sativex®) ergaben keine signifikante Verbesserung der Aufmerksamkeitsleistung, jedoch Hinweise auf reduzierte Hyperaktivität und Impulsivität unter Cannabis-Medikation3. Aufgrund der geringen Datenlage kann ein Nutzen bei ADHS bislang nicht zuverlässig bestätigt werden – weitere Studien sind notwendig3.
  • Schlafstörungen: Obwohl viele Cannabispatienten von besserem Schlaf berichten, ist die Studienlage hierzu unzureichend. In einigen Studien wurde Schlaf als Nebenkriterium mit untersucht, ein klarer therapeutischer Effekt auf Insomnie ließ sich jedoch nicht nachweisen3. Allenfalls gibt es Hinweise auf einen möglichen Nutzen bei bestimmten Patienten, z. B. indem Cannabis indirekt durch Schmerzlinderung die Schlafqualität verbessert3.
  • Depressionen: Hier bestehen keine belastbaren Belege für eine antidepressive Wirkung von Cannabis. Einzelne kleine Studien fanden zwar kurzfristig eine etwas bessere Stimmung unter Cannabinoiden als unter Placebo, doch war die methodische Qualität unzureichend3. Leitlinien raten nicht zu Cannabis als Antidepressivum, da Nutzen und Risiken (insbesondere das Potenzial zur Auslösung einer Psychose) ungünstig erscheinen.
  • Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust: THC ist für seine appetitanregende Wirkung bekannt. In der Medizin wird dies bei HIV/AIDS und Krebspatienten genutzt, um Gewichtsabnahme entgegenzuwirken. Studien zeigen leichte Effekte: HIV-Patienten nahmen unter Cannabis geringfügig an Gewicht zu, und bei Tumorpatienten stieg der Appetit etwas an – allerdings ohne statistisch signifikanten Unterschied zu Placebo3. Insgesamt sind die Ergebnisse gemischt, aber Cannabis (bzw. Dronabinol) kann in Einzelfällen als Appetitanreger eingesetzt werden, wenn herkömmliche Maßnahmen versagen.
  • Angststörungen: Obwohl Cannabis von manchen Patienten zur Angstminderung verwendet wird, ist die wissenschaftliche Evidenz spärlich. In kleineren Studien zeigte CBD anxiolytische (angstlösende) und potenziell antipsychotische Effekte und kann die angstverstärkende Wirkung von THC teilweise abschwächen6. THC dagegen kann besonders bei hohen Dosen oder empfindlichen Personen Angst und Panik auslösen13. Bisher gibt es kaum hochwertige klinische Studien zu Cannabis bei Angststörungen; es gilt als potenzielle Indikation, aber belastbare Belege fehlen weitgehend3. Aufgrund der Risiken (z. B. psychotische Symptome bei THC) wird medizinisches Cannabis hier nur mit großer Zurückhaltung betrachtet.
  • Migräne: Erste Untersuchungen deuten an, dass Cannabis auch bei Migräne helfen könnte. Eine Auswertung von Patientendaten aus einer Symptom-Tracking-App ergab, dass inhalierter Cannabiskonsum die selbstberichtete Intensität von Kopfweh- und Migräneepisoden im Mittel um etwa 50% senkte14. Zudem zeigte eine randomisierte, placebokontrollierte Studie, dass vaporisiertes THC+CBD akute Migräneschmerzen und Begleitsymptome stärker lindern kann als Placebo7. Trotz dieser vielversprechenden Hinweise ist die Datenlage noch begrenzt; Cannabis wird bei Migräne bisher nur individuell und experimentiell eingesetzt, weitere Forschung läuft.
  • Epilepsie: In der Behandlung bestimmter schwerer Epilepsien (vor allem kindliche Syndrome wie z.B. Dravet, Lennox-Gastaut, Tuberöse Sklerose) ist die Wirksamkeit von Cannabinoiden – insbesondere CBD – inzwischen belegt8 9. Mehrere randomisierte Studien zeigten, dass CBD hier die Anfallshäufigkeit deutlich reduzieren kann. Für andere Epilepsie-Formen ist die Studienlage noch unzureichend, doch laufen klinische Prüfungen. Wichtig: Cannabis-Therapien bei Epilepsie sollten nur unter strenger ärztlicher Aufsicht erfolgen; zugelassene CBD-Arzneimittel (wie Epidyolex®) kommen zum Einsatz, nicht der frei verkäufliche Hanf-CBD10.
  • Spastik bei Multipler Sklerose (MS): Bei Multipler Sklerose kann es zu schmerzhafter Muskelsteifheit und Krämpfen („Spastik“) kommen. Für Erwachsene mit mittelschwerer bis schwerer MS-Spastik, bei denen andere Behandlungen nicht ausreichend helfen, ist Nabiximols (THC/CBD-Mundspray, Sativex®) als Zusatzbehandlung vorgesehen18. In der Praxis wird nach einer kurzen Testphase geprüft, ob eine spürbare Besserung eintritt.
  • Übelkeit & Erbrechen unter Chemotherapie: Unter Chemotherapie können starke Übelkeit und Erbrechen auftreten. Nabilon (Canemes®) ist eine Zusatz-/Reserveoption, die eingesetzt wird, wenn andere Mittel nicht ausreichend wirken19. Das ist also typischerweise nicht die erste Wahl, sondern eher „wenn Standardtherapien nicht reichen“.
  • Tourette-Syndrom: Beim Tourette-Syndrom stehen motorische und vokale Tics im Vordergrund; Standard sind Verhaltenstherapie und bestimmte Medikamente. Für schwere, therapieresistente Fälle gibt es kontrollierte Daten, dass THC+CBD Tics reduzieren kann – die Datenlage ist insgesamt aber noch begrenzt, und Nebenwirkungen sind möglich20. Deshalb ist das eher eine Option bei Therapieversagen und nur unter ärztlicher Begleitung sinnvoll.

Sativa vs. Indica: Cannabis Sorten Wirkung

In der Cannabis-Kultur wird oft zwischen Sativa- und Indica-Sorten unterschieden und mit unterschiedlichen Wirkungen beworben: Cannabis Sativa soll ein eher anregendes, „kopflastiges“ High erzeugen, während Cannabis Indica für eine körperlich entspannende Wirkung bekannt ist5. Diese Einteilung hat historisch-botanische Wurzeln, führt aber in der Praxis leicht zu Verallgemeinerungen und Mythen. Aktuelle Studien zeigen, dass die gängigen Sativa/Indica-Labels nicht zuverlässig die chemische Zusammensetzung oder Wirkung einer Cannabisprobe vorhersagen15. Genetische Analysen vieler Sativa- und Indica-gelabelter Proben fanden keine klare, konsistente Trennung dieser Labels auf Genomebene; die genetische Struktur stimmt nur teilweise mit der angegebenen Sativa/Indica-Abstammung überein11. Auch der Gesamtgehalt an Cannabinoiden (z. B. THC) ist oft ähnlich15. Deutlichere Unterschiede zeigen sich eher in den Terpenprofilen: Einige als Sativa bezeichnete Sorten enthielten tendenziell mehr Terpene mit fruchtig-teeartigem Aroma, während Indica-Namen öfter erdige Terpene wie Myrcen oder Eudesmol aufwiesen12. Diese Terpenmuster sind jedoch nur Tendenzen und erklären die berichteten Wirkungsunterschiede nicht zuverlässig12.

Fachleute warnen daher davor, die Cannabis-Wirkung ausschließlich an Sativa/Indica festzumachen5. Stattdessen hängt der Effekt einer konkreten Cannabissorte von ihrem individuellen Cannabinoid- und Terpenprofil ab. Zum Beispiel können sowohl eine „Sativa“- als auch eine „Indica“-Sorte mit hohem THC-Gehalt sehr potente psychoaktive Effekte verursachen. Die traditionelle Zuordnung (Sativa = aktivierend, Indica = sedierend) ist also übersimplifiziert. Moderne Züchtungen sind häufig Hybride, die Merkmale beider Typen vereinen, was klare Unterscheidungen weiter erschwert15.

Zusammengefasst: Ob die Cannabis Sorten Wirkung belebend oder entspannend wirkt, lässt sich nicht allein am Etikett Indica oder Sativa festmachen. Konsumenten sollten vielmehr auf den deklarierten THC/CBD-Gehalt und – sofern verfügbar – auf das Terpenprofil achten. Die wahrgenommene Differenz zwischen „Kopf-High“ und „Körper-High“ beruht vermutlich auf solchen chemischen Feinheiten sowie auf subjektiven Erwartungen, weniger auf einer strikt genetischen Zweiteilung.

Einflussfaktoren auf die Cannabis-Wirkung

Die Intensität und Ausprägung der Cannabis-Wirkung wird durch eine Reihe von Faktoren beeinflusst. Zu den wichtigsten Einflussfaktoren zählen:

  • THC-Gehalt: Δ9-THC ist der hauptverantwortliche Wirkstoff für den Rausch. Je höher der THC-Gehalt eines Strains oder Produkts, desto stärker (und potentiell auch riskanter) fällt die Wirkung aus. Hochpotente Cannabisblüten oder Konzentrate können bereits in kleinen Mengen sehr intensive Effekte auslösen. Gleichzeitig steigt mit dem THC-Gehalt das Risiko für Nebenwirkungen wie Angst, Paranoia oder Kreislaufreaktionen. Deshalb sollte man die Stärke des Materials kennen und die Dosis entsprechend anpassen1.
  • CBD-Gehalt: Cannabidiol (CBD) wirkt nicht berauschend, kann aber das THC-Erlebnis modulieren. Ein höherer CBD-Anteil im Verhältnis zu THC wird oft mit einem „ausgeglicheneren“ Rausch in Verbindung gebracht. Tatsächlich haben Studien gezeigt, dass CBD angstlösende und antipsychotische Effekte hat und die anxiogene (Angst erzeugende) Wirkung von THC abschwächen kann6. Ein Cannabisprodukt mit z. B. 1:1 THC:CBD dürfte also weniger stark psychoaktiv und verträglicher sein als reines THC. Umgekehrt gilt: Bei Sorten mit extrem hohem THC und kaum CBD (heutige Zuchtsorten) ist die Wirkung tendenziell aggressiver und mit höherem Angstpotenzial behaftet. Die THC:CBD-Ratio beeinflusst somit spürbar den Charakter des Rauschs.
  • Konsumform: Die Art, wie Cannabis konsumiert wird, entscheidet über Wirkungseintritt und -dauer. Beim Inhalieren (Rauchen oder Vaporisieren) gelangt THC direkt über die Lunge ins Blut – erste Effekte treten schon nach Sekunden bis wenigen Minuten auf und erreichen nach ca. 30 Minuten ihr Maximum; die Wirkung klingt nach 2–6 Stunden ab. Beim oralen Konsum (z. B. in Form von Cannabis-Edibles oder Tee) verzögert sich der Wirkungseintritt deutlich – häufig dauert es 30–90 Minuten oder länger, bis Effekte spürbar sind. Dafür kann der Rausch bei oraler Einnahme bis zu 12 Stunden anhalten17, da THC in der Leber zu einem ebenfalls wirksamen Metaboliten (11-OH-THC) umgewandelt wird. Außerdem fällt der Edible-Rausch körperbetonter und manchmal intensiver aus. Inhalation erlaubt eine bessere Dosierbarkeit wegen des schnellen Feedbacks, während orale Cannabisprodukte einen verzögerten, aber langanhaltenden „Ganzkörper“-Effekt erzeugen.
  • Toleranz: Bei regelmäßigem Cannabisgebrauch entwickelt der Körper eine Cannabis Toleranz – d. h. die gleichen Dosen zeigen mit der Zeit eine geringere Wirkung. Bereits nach wenigen Wochen häufigen Konsums kann diese Anpassung auftreten16. Für Konsumenten bedeutet das: Gewohnheitskiffer brauchen zunehmend größere Mengen, um den gewünschten Effekt zu spüren. Eine hohe Toleranz kann dazu führen, dass positive Effekte (Euphorie, Entspannung) schwächer ausfallen, während Kurzzeitgedächtnis und Aufmerksamkeit trotzdem beeinträchtigt bleiben. Durch Konsumpausen (“Toleranzpause” von mindestens einigen Wochen) lässt sich die Empfindlichkeit wieder erhöhen. Die individuelle Toleranz erklärt, warum erfahrene Nutzer deutlich mehr vertragen als Neulinge, bevor starke Rauschwirkungen einsetzen.
  • Psyche und Setting: Die psychische Verfassung einer Person sowie das soziale und physische Umfeld beim Konsum spielen eine erhebliche Rolle für das subjektive Erleben1. Ebenso wichtig ist das Setting: In einer vertrauten, sicheren Umgebung (z. B. gemütlich zu Hause mit Freunden) fühlt man sich meist wohler als in einem unbekannten oder unheimlichen Umfeld. Auch Erwartungshaltungen spielen mit hinein – glaubt jemand fest an eine bestimmte Wirkung (z. B. beruhigende Indica), kann dies das Erleben in diese Richtung beeinflussen (Placebo-Effekt). Allgemein gilt: Ein positives Mindset und ein passendes Setting (ruhig, vertraut, angenehme Gesellschaft) fördern eine gute Cannabis-Erfahrung, während negative Stimmung und Stressfaktoren die Wahrscheinlichkeit von unangenehmen Effekten erhöhen.
  • Körperliche Verfassung: Zuletzt sei erwähnt, dass Faktoren wie Körpergewicht, Stoffwechsel und Nahrung im Magen die Wirkung modulieren. THC ist fettlöslich und reichert sich im Fettgewebe an. Nüchtern kann die Wirkung früher spürbar sein; nach einer (fettreichen) Mahlzeit kann sie später einsetzen, insgesamt aber stärker ausfallen21. Auch genetische Unterschiede im Endocannabinoid-System tragen dazu bei, dass nicht jeder gleich auf Cannabis reagiert.

Zusammenfassend: Die Wirkung von Cannabis ist sehr individuell und von vielen Faktoren abhängig. Für einen sicheren Konsum ist es ratsam, sich dieser Einflussfaktoren bewusst zu sein. Insbesondere Anfänger sollten mit niedriger THC-Dosis in entspannter Umgebung starten. So kann die erwünschte Wirkung – sei es therapeutische Linderung oder ein angenehmer Rausch – möglichst zuverlässig und risikoarm erzielt werden.

Aktualisiert am 30.03.2026

Quellen

Ausklappen
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