Cannabis-Entzug Kopfschmerzen: Warum sie auftreten – und was hilft

Kurzfassung (TL;DR)

  • Kopfschmerzen gehören zu den möglichen körperlichen Symptomen im Cannabis-Entzug, werden insgesamt aber eher seltener beschrieben als z.B. Schlafstörungen, Reizbarkeit oder Appetitverlust1.
  • Entzugssymptome beginnen typischerweise 24–48 Stunden nach dem letzten Konsum, erreichen häufig zwischen Tag 2 und 6 ihren Höhepunkt und klingen meist innerhalb von 2–3 Wochen wieder deutlich ab. Bei starkem, langjährigem Konsum können einzelne Beschwerden länger anhalten1.
  • Für den Cannabis-Entzug gibt es keine Standardmedikation. Im Vordergrund stehen unterstützende Maßnahmen wie Aufklärung, Tagesstruktur, Bewegung, Bewältigungsstrategien und bei Bedarf professionelle Hilfe4.

Einleitung: Wenn du nach dem Absetzen von Cannabis merkst, dass Cannabis Entzug Kopfschmerzen ein Thema bei dir werden, kann das verunsichern. Tatsächlich können neben psychischen Beschwerden auch körperliche Entzugssymptome auftreten. Dazu gehören unter anderem Schwitzen, Schüttelfrost, Bauchschmerzen oder eben Kopfschmerzen2. Wichtig ist dabei die Einordnung: Kopfschmerzen können im Rahmen eines Cannabis-Entzugs vorkommen, sie gelten in Übersichtsarbeiten aber nicht als typisches Leitsymptom wie Schlafstörungen, Gereiztheit oder Appetitverlust1. In diesem Artikel erfährst du, was Kopfschmerzen im Cannabis-Entzug bedeuten, wie sie typischerweise verlaufen und was helfen kann.

Was bedeuten Kopfschmerzen im Cannabis-Entzug?

Kopfschmerzen im Cannabis-Entzug sind ein mögliches körperliches Entzugssymptom nach abruptem Absetzen oder deutlicher Reduktion eines regelmäßigen, meist länger andauernden Konsums1.

In Fachquellen werden sie zusammen mit anderen körperlichen Beschwerden wie Schwitzen, Schüttelfrost, Zittern oder Bauchschmerzen beschrieben2.

Typisch ist außerdem, dass Kopfschmerzen oft nicht isoliert auftreten, sondern zusammen mit weiteren Entzugssymptomen. Dazu können z.B. Schlafprobleme, innere Unruhe, Reizbarkeit oder Appetitveränderungen kommen1.

Für die Einordnung ist deshalb wichtig zu beurteilen, ob der Schmerz in ein zeitlich passendes Gesamtbild nach dem Absetzen passt.

Typischer Verlauf und Dauer

Der zeitliche Verlauf von Cannabis-Entzugssymptomen folgt häufig einem bestimmten Muster: Die Beschwerden beginnen meist innerhalb von 24–48 Stunden nach dem letzten Konsum1. Danach erreichen sie häufig zwischen Tag 2 und 6 ihren Höhepunkt1. Auch für Kopfschmerzen ist deshalb eher ein Beginn in den ersten Tagen nach dem Absetzen plausibel als erst viele Wochen später.

Anschließend nehmen die Beschwerden bei vielen Betroffenen schrittweise wieder ab. Klinische Leitlinien beschreiben, dass Entzugssymptome meist innerhalb von 2–3 Wochen deutlich zurückgehen, auch wenn einzelne Symptome – besonders nach starkem oder langjährigem Konsum – länger anhalten können1.

Warum Kopfschmerzen entstehen

Die genaue Ursache von Kopfschmerzen im Cannabis-Entzug ist nicht vollständig geklärt1. Fachquellen beschreiben Kopfschmerzen aber als Teil des allgemeinen Anpassungsprozesses nach dem Wegfall der gewohnten THC-Zufuhr1.

Regelmäßiger Cannabiskonsum führt zu neurobiologischen Anpassungen. Dazu gehören auch Veränderungen im Endocannabinoid-System. Nach dem Absetzen müssen sich diese Prozesse erneut umstellen, was mit Entzugssymptomen verbunden sein kann2.

In dieser Umstellungsphase können neben psychischen auch körperliche beziehungsweise vegetative Beschwerden auftreten, darunter auch Kopfschmerzen1.

Hinzu kommt, dass sich Beschwerden im Entzug gegenseitig verstärken können. Wenn gleichzeitig Schlafprobleme, innere Unruhe oder Gereiztheit auftreten, werden Kopfschmerzen oft belastender erlebt.

Auch ein gleichzeitiger Nikotin- und Cannabisentzug kann die Entzugssymptomatik verstärken4.

Was hilft bei Kopfschmerzen im Cannabis-Entzug?

Eine spezifisch zugelassene Standardmedikation gegen den Cannabis-Entzug gibt es bisher nicht4.

Im Vordergrund stehen deshalb unterstützende Maßnahmen, die den Entzug erträglicher machen und den Körper in der akuten Phase möglichst stabil halten1.

Dazu gehören vor allem eine beruhigende Einordnung der Beschwerden, ausreichende Flüssigkeitszufuhr, regelmäßige leichte Mahlzeiten, Schlafhygiene und Strategien zum Umgang mit Craving4.

Praktisch heißt das bei Kopfschmerzen im Cannabis-Entzug: ausreichend trinken, möglichst regelmäßig essen, auch bei wenig Appetit eher kleine und gut verträgliche Mahlzeiten wählen und den Tag nicht völlig unstrukturiert laufen lassen.

Ebenso wichtig sind Ruhe und ein möglichst stabiler Schlaf-Wach-Rhythmus. Schlafhygiene gehört zu den grundlegenden unterstützenden Maßnahmen im Cannabis-Entzug und kann auch dabei helfen, körperliche Beschwerden insgesamt besser auszuhalten4.

Zusätzlich kann es helfen, tagsüber aktiv zu bleiben, dich nicht komplett zurückzuziehen und bewusste Ablenkung zu nutzen. Drugcom beschreibt insbesondere sportliche Aktivität und einen aktiven Umgang mit Entzugssymptomen als hilfreich3.

Wenn die Kopfschmerzen stärker werden, häufig wiederkehren oder trotz eigener Maßnahmen nicht besser werden, solltest du sie ärztlich abklären lassen; auch die Apotheke kann zu Kopfschmerzen beraten und geeignete Mittel empfehlen5.

Wann professionelle Hilfe sinnvoll ist

Professionelle Hilfe ist sinnvoll, wenn du den Konsum nicht allein reduzieren oder beenden kannst oder wenn die Entzugssymptome dich im Alltag deutlich überfordern4.

Auch dann, wenn psychische Vorerkrankungen, starke Belastungen oder komplizierte Entzugsverläufe dazukommen, ist fachliche Begleitung besonders wichtig4.

Klinische Leitlinien nennen hier unter anderem frühere schwere Entzüge, psychische Komorbiditäten oder zusätzlichen Substanzkonsum als Faktoren, die einen schwierigeren Verlauf begünstigen können4.

Unabhängig vom Cannabis-Entzug gilt: Plötzlich sehr starke Kopfschmerzen oder Kopfschmerzen zusammen mit hohem Fieber und Nackensteifigkeit, ausgeprägter Benommenheit, neuen Sehproblemen, Verwirrtheit oder neuen Schlaganfallzeichen wie Schwäche auf einer Gesichts- oder Körperseite sollten sofort medizinisch abgeklärt werden5.

Konkrete, niedrigschwellige Hilfen bei Abhängigkeit findest du hier: Hilfen bei Abhängigkeit.

Fazit

Kopfschmerzen können im Cannabis-Entzug auftreten, gehören aber eher zu den weniger häufig beschriebenen körperlichen Symptomen1.

Typisch ist ein Beginn innerhalb von 24–48 Stunden nach dem letzten Konsum, mit einer stärkeren Phase in den ersten Tagen und einer schrittweisen Besserung innerhalb von meist 2–3 Wochen1.

Am wichtigsten ist eine nüchterne Einordnung: In den meisten Fällen stehen unterstützende Maßnahmen, Tagesstruktur und ein aktiver Umgang mit den Beschwerden im Vordergrund4.

Wenn die Kopfschmerzen ungewöhnlich stark sind, lange anhalten oder zusammen mit weiteren Warnzeichen auftreten, solltest du sie medizinisch abklären lassen5.

Für mehr Informationen zu den Phasen und Symptomen des Cannabis-Entzugs, besuche die Seite Cannabis-Entzug.

Quellen

Ausklappen
  1. Connor JP, Stjepanović D, Budney AJ, Le Foll B, Hall WD.: Clinical management of cannabis withdrawal. Addiction. 2022;117(7):2075–2095.https://doi.org/10.1111/add.15743
  2. Bonnet U, Preuss UW.: The cannabis withdrawal syndrome: current insights. Substance Abuse and Rehabilitation. 2017;8:9–37.https://doi.org/10.2147/SAR.S109576
  3. drugcom / Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG): Ausstieg aus dem Cannabiskonsum: Welche Entzugserscheinungen auftreten können und was dagegen hilft. – https://www.drugcom.de/newsuebersicht/topthemen/ausstieg-aus-dem-cannabiskonsum-welche-entzugserscheinungen-auftreten-koennen-und-was-dagegen-hilft/
  4. The Royal Children’s Hospital Melbourne: Clinical Practice Guidelines: Cannabis withdrawal syndrome.https://www.rch.org.au/clinicalguide/guideline_index/Cannabis_withdrawal_syndrome/
  5. NHS inform: Headaches. https://www.nhsinform.scot/illnesses-and-conditions/brain-nerves-and-spinal-cord/headaches/

Hinweis: Die Inhalte dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine medizinische Beratung/Diagnose.