Cannabis-Entzug Fieber: Ursachen, Verlauf und was helfen kann
Kurzfassung (TL;DR)
- Fieber gehört laut diagnostischen Kriterien zu den möglichen körperlichen Beschwerden des Cannabis-Entzugs1.
- In klinischen Daten war es jedoch selten; in einer stationären Studie gaben 98,3 % der Patienten am ersten Erhebungstag kein Fieber an 3.
- Cannabis-Entzugssymptome beginnen typischerweise 24–48 Stunden nach dem letzten Konsum, erreichen häufig zwischen Tag 2 und 6 ihren Höhepunkt und können bei starkem Konsum 2–3 Wochen oder länger anhalten1.
Einleitung: Wenn du Cannabis Entzug Fieber befürchtest, ist zunächst wichtig zu unterscheiden, ob wirklich eine erhöhte Körpertemperatur vorliegt oder ob sich der Entzug eher „grippig“ oder fiebrig anfühlt. Cannabis-Entzug kann neben psychischen Beschwerden auch körperliche bzw. vegetative Symptome auslösen, darunter Schwitzen, Zittern, Fieber, Schüttelfrost oder Kopfschmerzen2. In diesem Artikel erfährst du, warum Fieber im Cannabis-Entzug auftritt, wie der typische Verlauf aussieht und welche Maßnahmen helfen können.
Was bedeutet Fieber im Cannabis-Entzug?
Im diagnostischen Rahmen des Cannabis-Entzugs zählt Fieber nicht zu den häufigsten, aber zu den möglichen körperlichen Beschwerden1.
DSM-5 nennt Fieber zusammen mit Symptomen wie Schwitzen, Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Zittern oder Bauchschmerzen als körperliche Beschwerden, die zusätzlich zu psychischen Entzugssymptomen auftreten können1.
Auch deutschsprachige Fachliteratur beschreibt erhöhte Körpertemperatur und Kälteschauer als mögliche vegetative Begleiterscheinungen des Cannabis-Entzugs2.
Das bedeutet aber nicht, dass Fieber ein typisches Leitsymptom wäre3. In der stationären Untersuchung von Watzke berichteten 98,3 % der Patienten am ersten Erhebungstag kein Fieber3.
Typischer Verlauf und Dauer
Der Cannabis-Entzug beginnt typischerweise innerhalb von 24–48 Stunden nach dem Absetzen oder einer deutlichen Reduktion1. Viele Beschwerden erreichen zwischen Tag 2 und 6 ihren Höhepunkt und nehmen danach allmählich wieder ab1. Einige Symptome können bei starkem oder langjährigem Konsum auch 2–3 Wochen oder länger anhalten1.
Für Fieber liegen im Vergleich zu häufigeren Entzugssymptomen nur wenige spezifische Verlaufsdaten vor; in der stationären Studie wurde Fieber am ersten Erhebungstag selten berichtet3.
Insgesamt stehen im Entzugsverlauf meist psychische Symptome wie Reizbarkeit, Angst, Schlafstörungen oder Appetitverlust stärker im Vordergrund als körperliche Beschwerden1.
Warum Fieber entsteht
Die genaue Ursache dafür, dass manche Betroffene im Cannabis-Entzug Fieber, Frösteln oder Hitzegefühle berichten, ist nicht abschließend geklärt4.
Gut belegt ist aber, dass THC auf das Endocannabinoid-System wirkt, also auf ein körpereigenes Regulationssystem, das unter anderem an vielen körperlichen und psychischen Prozessen beteiligt ist5. Bei regelmäßigem, länger andauerndem Konsum kommt es dabei zu neurobiologischen Anpassungen. Beschrieben wurden insbesondere Veränderungen beziehungsweise eine verringerte Verfügbarkeit von CB1-Rezeptoren, die als wichtige Grundlage des Cannabis-Entzugssyndroms gelten5.
Wenn THC nach dem Absetzen plötzlich wegfällt, muss sich das Endocannabinoid-System erneut einregulieren. In dieser Phase können neben psychischen Beschwerden auch körperliche beziehungsweise vegetative Symptome auftreten, etwa Schwitzen, Zittern, Schüttelfrost, Kopfschmerzen oder Bauchschmerzen1. Das subjektive Gefühl, „fiebrig“ zu sein, passt grundsätzlich zu diesem körperlichen Entzugsmuster. Ausgeprägtes Fieber wird in der Praxis aber insgesamt selten berichtet3.
Was hilft bei Fieber im Cannabis-Entzug?
Eine spezifisch zugelassene Standardmedikation gegen den Cannabis-Entzug gibt es bisher nicht1. Wenn in Übersichten oder Leitlinien von supportiver Behandlung die Rede ist, sind damit vor allem unterstützende Maßnahmen gemeint, die den Entzug erträglicher machen und den Körper möglichst stabil halten. Dazu gehören Aufklärung über den typischen Verlauf, eine beruhigende Einordnung der Beschwerden, ausreichende Flüssigkeitszufuhr, regelmäßige leichte Mahlzeiten, Schlafhygiene und Strategien zum Umgang mit Craving1.
Praktisch heißt das bei fiebrigen Beschwerden im Cannabis-Entzug vor allem: ausreichend trinken, sich körperlich schonen und darauf achten, ob die Symptome im Rahmen eines typischen, vorübergehenden Entzugs bleiben1. Gerade weil echtes Fieber kein häufiges Leitsymptom des Cannabis-Entzugs ist, sollte bei deutlich erhöhter Temperatur, starkem Krankheitsgefühl oder länger anhaltenden Beschwerden auch an andere Ursachen gedacht werden3, 4.
Wann professionelle Hilfe sinnvoll ist
Cannabis-Entzug gilt im Regelfall als klinisch unkompliziert und nicht lebensbedrohlich2.
Professionelle Unterstützung ist aber sinnvoll, wenn die Beschwerden sehr stark sind, psychische Begleiterkrankungen bestehen, körperliche Vorerkrankungen mitbetroffen sind oder zusätzlich andere Substanzen konsumiert wurden4.
Für eine stationäre oder intensivere Behandlung sprechen vor allem relevante psychiatrische Komorbiditäten und Polysubstanzkonsum1.
Da Fieber in klinischen Daten insgesamt selten berichtet wurde, sollte anhaltend hohes Fieber nicht vorschnell allein dem Cannabis-Entzug zugeschrieben werden3, 4. Bei ausgeprägtem oder länger anhaltendem Fieber soll auch an andere Ursachen gedacht und eine ärztliche Abklärung erwogen werden4.
Wer unsicher ist, sollte Beschwerden nicht vorschnell nur dem Entzug zuschreiben, sondern ärztliche oder suchtmedizinische Hilfe in Anspruch nehmen4.
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Fazit
Fieber ist als mögliche körperliche Beschwerde des Cannabis-Entzugs beschrieben, wird in klinischen Daten aber selten berichtet3. Diagnostische Kriterien nennen Fieber zwar als mögliche körperliche Beschwerde; häufiger im Vordergrund stehen insgesamt andere Entzugssymptome, vor allem psychische Beschwerden, Schlafprobleme und Appetitveränderungen1.
Der Verlauf folgt meist dem allgemeinen Muster des Cannabis-Entzugs: Beginn nach 24–48 Stunden, Höhepunkt zwischen Tag 2 und 6, danach schrittweise Besserung1. Wenn die Beschwerden mild bleiben, stehen unterstützende Maßnahmen im Vordergrund1. Bei anhaltend hohem Fieber oder einem insgesamt auffälligen Verlauf sollte die Ursache ärztlich abgeklärt werden4.
Für mehr Informationen zu den Phasen und Symptomen des Cannabis-Entzugs, besuche die Seite Cannabis-Entzug.
Quellen
Ausklappen
- Connor JP, Stjepanović D, Le Foll B, Hoch E, Budney AJ, Hall WD.: Clinical management of cannabis withdrawal. Addiction. 2022. –https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9110555/
- Hoch E, Preuss UW.: Cannabis, Cannabinoide und Cannabiskonsumstörungen. PSYCH up2date. 2019;13(05):395–409. – https://www.thieme-connect.de/products/ejournals/html/10.1055/a-0847-9296
- Watzke AB.: Cannabisentzugssymptome und Hinweise auf Persönlichkeitsstörungen bei stationär behandelten Patienten während des Cannabisentzuges. Dissertation, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, 2008. – http://d-nb.info/99608035X/34
- Cleveland Clinic: Marijuana (Weed) Withdrawal: Symptoms & Treatment. – https://my.clevelandclinic.org/health/diseases/marijuana-weed-withdrawal
- Schlienz NJ, Budney AJ, Lee DC, Vandrey R.: Cannabis Withdrawal: a Review of Neurobiological Mechanisms and Sex Differences. Current Addiction Reports. 2017;4(2):75–81. – https://doi.org/10.1007/s40429-017-0143-1
Hinweis: Die Inhalte dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine medizinische Beratung/Diagnose.
