Cannabis-Dabbing: Wirkung, Risiken & Rechtslage
Kurzfassung (TL;DR)
- Beim Cannabis-Dabbing werden feste oder halbfeste Cannabisextrakte wie Rosin, Wax oder Shatter erhitzt. Das dabei entstehende Aerosol wird inhaliert. Dabbing ist damit eine Konsumform, während „Cannabis-Konzentrate“ die dabei verwendeten Produkte bezeichnet8.
- Wie bei anderen inhalativen Cannabisformen setzt die Wirkung meist innerhalb von Sekunden bis wenigen Minuten ein, erreicht häufig innerhalb von etwa 30 Minuten ihren Höhepunkt und kann mehrere Stunden anhalten1. Hochkonzentrierte THC-Produkte können dabei eine besonders hohe THC-Aufnahme ermöglichen und das Risiko einer unbeabsichtigt starken Wirkung erhöhen4.
- Zu den besonderen Risiken des Dabbings gehören die häufig hohe THC-Konzentration der verwendeten Produkte, mögliche Verunreinigungen sowie Schadstoffe, die beim starken Erhitzen entstehen können2, 9.
Einleitung: Beim Cannabis-Dabbing werden Konzentrate wie Rosin, Wax, Shatter oder Live Resin erhitzt und das entstehende Aerosol eingeatmet8. Dabbing bezeichnet dabei nicht das verwendete Cannabisprodukt, sondern die Art, wie es konsumiert wird. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil Cannabis-Konzentrate auch auf andere Weise verwendet werden können. Beim Dabbing kommen typischerweise feste oder halbfeste Konzentrate zum Einsatz8. Eine Besonderheit des Dabbings ist die hohe Wirkstoffkonzentration vieler verwendeter Produkte. In einer Untersuchung von 57 Konzentraten aus dem kalifornischen medizinischen Cannabismarkt wurden THC-Konzentrationen zwischen 23,7 und 75,9 Prozent gemessen2.
Was ist Cannabis-Dabbing?
Dabbing ist eine inhalative Konsumform, bei der ein festes oder halbfestes Cannabisextrakt erhitzt wird, sodass ein inhalierbares Aerosol entsteht8. Bei klassischen Dab-Rigs geschieht dies über eine erhitzte Oberfläche wie einen sogenannten Nail oder Banger; daneben gibt es elektronische Systeme, die das Konzentrat über ein Heizelement erhitzen8.
Zu den dafür verwendeten Produkten zählen unter anderem Rosin, Wax, Shatter, Live Resin, Budder oder Batter, BHO und Crumble8. Diese Produkte können deutlich höhere THC-Konzentrationen aufweisen als viele Cannabisblüten4.
Nicht jedes Cannabis-Konzentrat wird jedoch gedabbt. Flüssige Vape-Produkte, oral verwendete Cannabisextrakte und standardisierte medizinische Öle gehören zwar ebenfalls zu den konzentrierten Cannabiszubereitungen, werden aber über andere Konsum- beziehungsweise Darreichungsformen angewendet6, 8.
Wirkungseintritt & Wirkdauer
Da Dabbing eine inhalative Konsumform ist, setzt die Wirkung meist sehr schnell ein. Erste Effekte können innerhalb von Sekunden bis wenigen Minuten auftreten, häufig wird innerhalb von etwa 30 Minuten der Wirkungshöhepunkt erreicht. Die wahrnehmbaren Wirkungen können mehrere Stunden anhalten; Restwirkungen sind im Einzelfall noch länger möglich1.
Das Besondere am Dabbing ist weniger ein grundsätzlich anderer zeitlicher Wirkungsverlauf als die mögliche THC-Menge, die innerhalb kurzer Zeit aufgenommen wird. Hochkonzentrierte THC-Produkte können stärkere berauschende Effekte hervorrufen und das Risiko erhöhen, unbeabsichtigt mehr THC aufzunehmen als beabsichtigt4. Die CDC weist ausdrücklich darauf hin, dass Dabbing von Konzentraten sehr hohe THC-Mengen zuführen kann4.
Die tatsächliche Wirkungsstärke hängt deshalb nicht allein von der Konsumform ab, sondern unter anderem von THC-Konzentration, aufgenommener Menge, individueller Empfindlichkeit, Konsumerfahrung und Konsumhäufigkeit4, 6.
Anwendung und typische Varianten
Wie funktioniert Dabbing?
Beim Dabbing wird ein Cannabis-Konzentrat erhitzt, bis daraus ein Aerosol entsteht, das anschließend inhaliert wird8. Anders als beim Rauchen wird dabei nicht primär getrocknetes Pflanzenmaterial verbrannt. Das bedeutet jedoch nicht, dass das entstehende Aerosol schadstofffrei ist9.
Beim klassischen Dab-Rig wird das Konzentrat auf einer erhitzten Oberfläche wie einem sogenannten Nail oder Banger verwendet. Daneben existieren elektronische Systeme wie E-Rigs sowie sogenannte Dab-Pens beziehungsweise Konzentrat-Vaporizer, die feste oder halbfeste Extrakte elektrisch erhitzen8.
Welche Konzentrate werden beim Dabbing verwendet?
Für Dabbing werden vor allem feste oder halbfeste Cannabis-Konzentrate verwendet. Dazu gehören beispielsweise Rosin, Wax, Shatter, Live Resin, Budder beziehungsweise Batter, BHO und Crumble8. Auch bestimmte Haschischprodukte können mit dafür geeigneten Systemen verwendet werden8.
Die Bezeichnungen beschreiben vor allem Unterschiede in Herstellung, Konsistenz und Zusammensetzung des Produkts.
Rechtslage in Deutschland
Besonders relevant für Konzentrate ist § 2 Absatz 2 KCanG: Danach ist die Extraktion von Cannabinoiden aus der Cannabispflanze grundsätzlich verboten. Ausgenommen sind insbesondere die Extraktion von CBD und die gesetzlich vorgesehene Extraktion für bestimmte analytische Zwecke7. Auch die Herstellung oder Beschaffung eines Produkts darf deshalb nicht allein daraus als legal angesehen werden, dass Cannabisbesitz für Erwachsene teilweise erlaubt ist.
Anbauvereinigungen dürfen Cannabis außerdem ausschließlich in Reinform als Marihuana oder Haschisch an ihre Mitglieder weitergeben6. Produkte wie Wax oder Shatter gehören damit nicht zu den vorgesehenen Weitergabeformen der Anbauvereinigungen.
Medizinalcannabis ist hiervon rechtlich getrennt und wird nach dem Medizinal-Cannabisgesetz behandelt. Es kann weiterhin ärztlich verschrieben und über Apotheken abgegeben werden6.
Gesundheitliche Risiken
Ein zentrales Risiko des Dabbings ist die hohe THC-Konzentration vieler verwendeter Produkte. Hochkonzentrierte THC-Produkte können stärkere berauschende Effekte verursachen und das Risiko einer unbeabsichtigt hohen THC-Aufnahme erhöhen4. Die CDC weist zudem darauf hin, dass Dabbing und das Vaping von Konzentraten sehr hohe THC-Mengen zuführen können und dass die gesundheitlichen Folgen einer solchen hohen THC-Exposition noch nicht vollständig geklärt sind4.
Akut kann Cannabis unter anderem Angst, Paranoia, Orientierungslosigkeit, Schwindel, Herzrasen und eine eingeschränkte Reaktionsfähigkeit verursachen5, 6. Cannabisgebrauch ist außerdem mit psychotischen Symptomen und länger anhaltenden psychischen Erkrankungen wie Schizophrenie assoziiert; der Zusammenhang mit Schizophrenie ist bei frühem Konsumbeginn und häufigem Konsum stärker5.
Dabbing vermeidet zwar die klassische Verbrennung von Cannabisblüten, das eingeatmete Aerosol ist deshalb aber nicht automatisch schadstofffrei. In experimentellen Untersuchungen zum Dabbing wurden bei der thermischen Zersetzung von THC beziehungsweise Terpenen unter anderem Methacrolein, Benzol und Methylvinylketon nachgewiesen9. Diese Laborergebnisse zeigen eine mögliche Schadstoffexposition, erlauben aber keine direkte Aussage darüber, wie häufig daraus im Alltag konkrete Erkrankungen entstehen.
Auch die Qualität des Konzentrats kann eine Rolle spielen. In der Untersuchung von Raber und Kollegen wurden bei den analysierten Produkten unter anderem Rückstände von Lösungsmitteln und Pestiziden gefunden2. Die Studie untersuchte jedoch Produkte aus dem damaligen kalifornischen medizinischen Cannabismarkt und sollte nicht pauschal auf alle heutigen Konzentrate übertragen werden.
Für Jugendliche und junge Erwachsene sind hohe THC-Expositionen besonders relevant. Das Bundesgesundheitsministerium weist darauf hin, dass das Gehirn bis etwa zum Alter von 25 Jahren besonders vulnerabel ist und THC die Gehirnentwicklung beeinträchtigen kann6.
Risikoreduktion und Alternativen
Wer Cannabis konsumiert, kann das Risiko einer unbeabsichtigt starken Wirkung reduzieren, indem die THC-Exposition möglichst niedrig gehalten wird. Das ist beim Dabbing besonders relevant, weil Konzentrate sehr hohe THC-Konzentrationen aufweisen können und innerhalb kurzer Zeit viel THC aufgenommen werden kann4.
Da inhalatives Cannabis innerhalb von Sekunden bis wenigen Minuten wirken und seinen Wirkungshöhepunkt häufig erst innerhalb von etwa 30 Minuten erreichen kann, sollte eine zunächst als schwach empfundene Wirkung nicht unmittelbar als Zeichen gewertet werden, dass keine weitere Wirkung mehr zu erwarten ist1.
Konzentrate aus unklarer Herkunft können zusätzliche Risiken durch Verunreinigungen oder nicht deklarierte Bestandteile mit sich bringen2. Von einer eigenständigen Cannabinoidextraktion ist außerdem auch aus rechtlicher Sicht abzuraten, da § 2 Absatz 2 KCanG die Extraktion von Cannabinoiden aus der Cannabispflanze grundsätzlich verbietet7.
Wer Cannabis medizinisch verwendet, sollte die verordnete Darreichungsform und Anwendung nicht eigenständig durch frei dosierte Dabbing-Produkte ersetzen. Änderungen der Konsumform oder Dosierung sollten mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt abgestimmt werden.
Cannabis-Dabbing im Vergleich zu anderen Konsumformen
| Vergleich | Wichtigster Unterschied |
|---|---|
| Cannabis-Dabbing vs. Cannabis rauchen | Beide wirken schnell über die Lunge. Beim Rauchen wird Pflanzenmaterial verbrannt, beim Dabbing ein Konzentrat erhitzt3, 9. |
| Cannabis-Dabbing vs. Cannabis verdampfen | Vaporizer erhitzen meist Cannabisblüten, beim Dabbing werden Konzentrate verwendet8. |
| Cannabis-Dabbing vs. Cannabis-Edibles | Inhalierte Konzentrate wirken deutlich schneller; Edibles setzen später ein und wirken länger. Dadurch verschieben sich auch die typischen Dosierfehler1. |
| Cannabis-Dabbing vs. Cannabis-Öl & Extrakte | Dabbing wirkt innerhalb von Sekunden bis wenigen Minuten, oral eingenommenes Cannabis-Öl meist erst nach 30 Minuten bis 2 Stunden1. |
| Cannabis-Dabbing vs. Cannabis-Mundspray | Mundsprays sind definierte Arzneiformen mit standardisierter Anwendung und wirken langsamer, während Dabbing sehr schnell über die Lunge wirkt. |
Fazit
Cannabis-Dabbing ist eine inhalative Konsumform, bei der feste oder halbfeste Cannabis-Konzentrate erhitzt und das dabei entstehende Aerosol eingeatmet wird8. Begriffe wie Rosin, Wax oder Shatter bezeichnen dabei das verwendete Produkt – nicht die Konsumform selbst.
Die Wirkung setzt wie bei anderen inhalativen Cannabisformen schnell ein1. Eine Besonderheit des Dabbings ist jedoch, dass die verwendeten Konzentrate sehr hohe THC-Konzentrationen aufweisen können und dadurch innerhalb kurzer Zeit eine hohe THC-Exposition möglich ist4. Bei Produkten aus unklarer oder nicht kontrollierter Herkunft können Verunreinigungen eine zusätzliche Rolle spielen; außerdem können beim starken Erhitzen thermische Abbauprodukte entstehen2, 9.
Auch rechtlich muss zwischen Konsumform und Produkt unterschieden werden. Das KCanG regelt Dabbing nicht als eigene Produktkategorie, verbietet jedoch grundsätzlich die Extraktion von Cannabinoiden aus der Cannabispflanze7. Anbauvereinigungen dürfen außerdem nur Marihuana und Haschisch in Reinform weitergeben6.
Für mehr Informationen über verschiedene Konsumformen, besuche die Seite Cannabis-Konsumformen.
FAQ
Wirkt Dabbing stärker als Cannabisblüten?
Nicht die Konsumform allein bestimmt die Stärke der Wirkung. Entscheidend ist vor allem die tatsächlich aufgenommene THC-Menge. Da viele für Dabbing verwendete Konzentrate hohe THC-Konzentrationen enthalten, kann Dabbing jedoch innerhalb kurzer Zeit sehr hohe THC-Mengen zuführen4. In einer älteren Untersuchung von 57 Konzentraten lagen die gemessenen THC-Konzentrationen zwischen 23,7 und 75,9 Prozent2.
Was ist der Unterschied zwischen Dabbing und Verdampfen?
Beim klassischen Verdampfen werden meist Cannabisblüten in einem Vaporizer erhitzt. Beim Dabbing werden dagegen konzentrierte Cannabisprodukte verwendet8. Elektronische Dab-Pens und E-Rigs arbeiten ebenfalls mit Wärme, sind aber für Konzentrate statt für gewöhnliche Blüten ausgelegt8.
Welche Konzentrate werden beim Dabbing verwendet?
Dazu zählen unter anderem Rosin, Wax, Shatter, Live Resin, Budder beziehungsweise Batter, BHO und Crumble8. Nicht jedes Cannabis-Konzentrat ist jedoch für Dabbing bestimmt; beispielsweise werden bestimmte medizinische Extrakte oral angewendet6.
Quellen
Ausklappen
- Canadian Centre on Substance Use and Addiction: Cannabis: Inhaling vs Ingesting [Infographic], 2019. – https://www.ccsa.ca/sites/default/files/2019-10/CCSA-Cannabis-Inhaling-Ingesting-Risks-Infographic-2019-en.pdf
- Raber JC, Elzinga S, Kaplan C: Understanding dabs: contamination concerns of cannabis concentrates and cannabinoid transfer during the act of dabbing. Journal of Toxicological Sciences. 2015;40(6):797–803. – https://www.jstage.jst.go.jp/article/jts/40/6/40_797/_pdf
- Centers for Disease Control and Prevention: Cannabis and Lung Health, 2024. – https://www.cdc.gov/cannabis/health-effects/lung-health.html
- Centers for Disease Control and Prevention: Understanding Your Risk for Cannabis Use Disorder, 2024. – https://www.cdc.gov/cannabis/health-effects/cannabis-use-disorder.html
- Centers for Disease Control and Prevention: Cannabis and Mental Health, 2024. – https://www.cdc.gov/cannabis/health-effects/mental-health.html
- Bundesministerium für Gesundheit: Fragen und Antworten zum Cannabisgesetz. Stand: 4. September 2026. – https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/cannabis/faq-cannabisgesetz
- Bundesministerium der Justiz / Bundesamt für Justiz: Gesetz zum Umgang mit Konsumcannabis (Konsumcannabisgesetz – KCanG), § 2 – Umgang mit Cannabis. – https://www.gesetze-im-internet.de/kcang/__2.html
- Health Canada: Cannabis accessories for inhalation: Minimizing your risk when smoking, vaping and dabbing. Stand: 20. September 2024. – https://www.canada.ca/en/health-canada/services/drugs-medication/cannabis/personal-use/accessories-inhalation.html
- Meehan-Atrash J, Luo W, McWhirter KJ, Strongin RM: Aerosol Gas-Phase Components from Cannabis E-Cigarettes and Dabbing: Mechanistic Insight and Quantitative Risk Analysis. ACS Omega. 2019;4(14):16111–16120. – https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31592479/
Hinweis: Die Inhalte dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche Beratung oder Diagnose sowie keine Rechtsberatung.
