Cannabis-Cremes & Salben: Wirkung, Anwendung & Grenzen
Kurzfassung (TL;DR)
- Cannabis-Cremes & Salben werden auf die Haut aufgetragen und sind bei klassischer topischer Anwendung nicht auf eine ausgeprägte systemische THC-Wirkung ausgelegt; ein klassischer Rausch ist daher meist nicht zu erwarten1.
- In der Dermatologie gibt es erste Hinweise auf mögliche Effekte bei entzündlichen Hauterkrankungen wie atopischer Dermatitis oder Psoriasis, die Studienlage bleibt jedoch vorläufig3.
- Topische Cremes und transdermale Systeme sind nicht gleichzusetzen: Transdermale Produkte können Cannabinoide gezielt durch die Haut in den Blutkreislauf transportieren6.
Einleitung: Cannabis-Cremes & Salben sind eine besondere Cannabis-Konsumform, weil sie nicht inhaliert oder geschluckt, sondern die gezielte Anwendung auf begrenzten Hautarealen. Anders als beim Rauchen, Verdampfen oder bei Edibles steht bei klassischen topischen Produkten keine schnelle systemische Wirkung im Vordergrund, sondern die Anwendung an begrenzten Haut- oder Körperstellen4. Auf dem Markt finden sich Cremes, Salben, Balms, Gele und andere Hautprodukte, die mit CBD, Cannabis oder Hanf beworben werden. Je nach Zusammensetzung und Zweckbestimmung können solche Produkte beispielsweise als Kosmetika eingeordnet sein, ohne deshalb Arzneimittel zu sein9. Auch aus dem enthaltenen Cannabinoid allein lässt sich keine klinisch belegte Wirksamkeit ableiten4. Für Einsteiger und medizinische Nutzer ist deshalb vor allem wichtig, zwei Dinge auseinanderzuhalten: topisch versus transdermal und Kosmetikum versus Arzneimittel.
Was sind Cannabis-Cremes & Salben?
Cannabis-Cremes & Salben sind topische, also zur Anwendung auf der Haut bestimmte Zubereitungen, die Cannabinoide oder andere aus Cannabis gewonnene Inhaltsstoffe enthalten. Untersucht werden unter anderem Cremes, Salben und Gele mit unterschiedlichen Wirkstoffkonzentrationen und Formulierungen4.
Wie gut ein Cannabinoid in die Haut eindringt oder sie durchdringt, hängt unter anderem von seiner Konzentration, der Trägergrundlage und möglichen Penetrationsförderern ab5.
Der wissenschaftliche Ansatz hinter solchen Produkten ist grundsätzlich plausibel, da Bestandteile des Endocannabinoid-Systems auch in der Haut vorkommen und bei Entzündungsprozessen sowie verschiedenen Hauterkrankungen untersucht werden3. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass jedes frei verkäufliche CBD- oder Cannabisprodukt klinisch wirksam ist4.
Wichtig ist außerdem die Abgrenzung zwischen topischer und transdermaler Anwendung. Topische Produkte sind in erster Linie für eine Wirkung an beziehungsweise in der Haut vorgesehen. Transdermale Systeme werden dagegen gezielt so formuliert, dass Wirkstoffe die Hautbarriere durchdringen und in den Blutkreislauf gelangen können6.
Wirkungseintritt & Wirkdauer
Für Cannabis-Cremes & Salben lässt sich kein allgemeingültiger Wirkungseintritt angeben. Die bisher untersuchten Produkte unterscheiden sich erheblich hinsichtlich des verwendeten Wirkstoffs, seiner Konzentration, der Formulierung und des Anwendungsgebiets4.
Daher lassen sich für klassische Topika keine ähnlich verlässlichen Angaben zu Wirkungseintritt, Wirkungsspitze und Wirkdauer machen wie für inhalative oder orale Cannabinoid-Darreichungsformen4.
Bei normaler topischer Anwendung ist eine ausgeprägte psychoaktive THC-Wirkung meist nicht zu erwarten. In einer Humanstudie wurden THC-haltige Salben wiederholt auf die Haut aufgetragen, ohne dass anschließend Cannabinoide in Blut oder Urin nachgewiesen wurden1.
Davon sind speziell entwickelte transdermale Systeme zu unterscheiden. In einer Humanstudie konnten THC und CBD nach transdermaler Anwendung messbar in den systemischen Kreislauf gelangen; psychoaktive Effekte wurden in dieser Untersuchung dennoch nicht berichtet6.
Ob „auf die Haut aufgetragen“ auch tatsächlich „nur lokal“ bedeutet, hängt daher entscheidend von der jeweiligen Formulierung ab.
Anwendung und typische Varianten
Topische Cannabinoide werden unter anderem für lokale Schmerzbeschwerden untersucht. Die vorhandenen klinischen Studien sind jedoch bislang zu klein und uneinheitlich, um daraus allgemeine Behandlungsempfehlungen abzuleiten4.
Auch in der Dermatologie werden Cannabinoide bei entzündlichen oder immunologisch beeinflussten Hauterkrankungen wie atopischer Dermatitis und Psoriasis sowie bei Pruritus untersucht. Die Evidenz befindet sich jedoch noch in einem frühen Stadium3.
In einer kleinen randomisierten Studie bei Daumensattelgelenksarthrose verringerte topisches CBD die Schmerzen und verbesserte die von den Teilnehmenden berichtete Funktion gegenüber der Kontrollbehandlung7.
In einer randomisierten Pilotstudie bei chemotherapieinduzierter Neuropathie zeigte die untersuchte CBD-Creme dagegen keinen Vorteil gegenüber Placebo8.
Entsprechend bewertet auch die laufend aktualisierte systematische Evidenzübersicht der US-amerikanischen Agency for Healthcare Research and Quality die Datenlage zu topischem CBD bei chronischen Schmerzen weiterhin als unzureichend2.
Kosmetikum oder Arzneimittel?
Nicht jedes cannabinoidhaltige Hautprodukt ist ein Arzneimittel. Cannabisbezogene Inhaltsstoffe können in Europa – abhängig von Zusammensetzung und rechtlicher Einordnung – auch in kosmetischen Produkten vorkommen; für Kosmetika gelten andere regulatorische Anforderungen als für Arzneimittel9.
Topische Cannabis-Cremes werden vom Gemeinsamen Bundesausschuss nicht als reguläre Darreichungsform der medizinischen Cannabisversorgung aufgeführt10.
Ein Produkt mit den Begriffen „CBD“, „Cannabis“ oder „Hanf“ sollte deshalb nicht automatisch mit einer medizinisch nachgewiesenen Therapie gleichgesetzt werden.
Gesundheitliche Risiken
Bei Cannabis-Cremes & Salben entsteht bei der Anwendung keine Rauchbelastung. Wichtiger sind Fragen nach Hautverträglichkeit, tatsächlichem Wirkstoffgehalt, Formulierung und klinischer Wirksamkeit4.
Bei topischer Anwendung wurden lokale Reaktionen wie Brennen, Juckreiz, Hautausschlag und Kontaktdermatitis beschrieben11.
Die bisher erfassten unerwünschten Ereignisse waren überwiegend nicht schwerwiegend. Gleichzeitig reicht die vorhandene Datenbasis nicht aus, um die Verträglichkeit beliebiger frei verkäuflicher Produkte pauschal zu beurteilen11.
Eine weitere Grenze ist die Unterscheidung zwischen topischen und transdermalen Produkten. Speziell entwickelte transdermale Systeme können messbare THC- oder CBD-Konzentrationen im Blut erzeugen6. Deshalb lässt sich die fehlende relevante systemische Aufnahme einzelner getesteter Cannabis-Salben nicht automatisch auf jede denkbare Hautformulierung übertragen.
Problematisch können außerdem überhöhte medizinische Erwartungen an kosmetische Produkte sein. Die rechtliche Einordnung als Kosmetikum ist nicht mit dem Wirksamkeitsnachweis eines zugelassenen Arzneimittels gleichzusetzen9.
Risikoreduktion und Alternativen
Wer Cannabis-Cremes & Salben nutzt, sollte zunächst darauf achten, um welche Produktkategorie es sich handelt. Ein Kosmetikum ist nicht automatisch als Arzneimittel geprüft und zugelassen9.
Bei chronischen Schmerzen sollte berücksichtigt werden, dass die wissenschaftliche Evidenz für topisches CBD bislang nicht ausreicht, um von einer verlässlichen allgemeinen Wirksamkeit auszugehen2. Bei entzündlichen Hauterkrankungen bestehen ebenfalls Forschungsansätze, die bisher aber keine pauschale Therapieempfehlung rechtfertigen3.
Wenn medizinisch eine systemische Cannabinoidwirkung angestrebt wird, stehen grundsätzlich andere Aufnahmewege wie inhalative, orale oder oromukosale Darreichungsformen zur Verfügung. Ihre Pharmakokinetik unterscheidet sich deutlich von der Aufnahme über die Haut12.
Bei Hautprodukten sind ein klar deklarierter Wirkstoffgehalt und nachvollziehbare Angaben zur Zusammensetzung besonders wichtig, da die Hautpenetration stark von der konkreten Formulierung abhängig sein kann5.
Treten nach der Anwendung Brennen, Juckreiz, Ausschlag oder andere deutliche Hautreaktionen auf, sollte das Produkt nicht weiter angewendet werden. Auch eine äußerliche Anwendung kann relevante Hautreaktionen hervorrufen11.
Cannabis-Cremes & Salben im Vergleich zu anderen Konsumformen
| Vergleich | Wichtigster Unterschied |
|---|---|
| Cremes & Salben vs. Cannabis rauchen | Cremes und Salben werden äußerlich angewendet und nicht verbrannt. Beim Rauchen gelangen Cannabinoide dagegen innerhalb kurzer Zeit über die Lunge in den systemischen Kreislauf12. |
| Cremes & Salben vs. Cannabis verdampfen | Beim Verdampfen erfolgt eine schnelle Aufnahme über die Lunge; die Plasmakonzentrationen steigen nach inhalativer Aufnahme innerhalb weniger Minuten an12. |
| Cremes & Salben vs. Cannabis-Edibles | Oral aufgenommene Cannabinoide werden über den Verdauungstrakt aufgenommen und unterliegen dem First-Pass-Metabolismus; topische Produkte umgehen diesen Aufnahmeweg12. |
| Cremes & Salben vs. Cannabis-Öl & Extrakte | Oral oder oromukosal angewendete Cannabinoide können eine systemische Wirkung erzielen, während die Aufnahme über die Haut besonders stark von Hautbarriere und Formulierung abhängt12. |
| Cremes & Salben vs. Cannabis-Mundspray | Oromukosale Präparate werden an der Mundschleimhaut angewendet und können Cannabinoide systemisch verfügbar machen; klassische Hautcremes verfolgen dagegen primär einen topischen Ansatz12. |
Fazit
Cannabis-Cremes & Salben unterscheiden sich deutlich von klassischen inhalativen oder oralen Cannabisprodukten. Bei gewöhnlichen topischen THC-Produkten ist ein klassischer Cannabisrausch nach der bisherigen Datenlage nicht zu erwarten1.
Die größte Einschränkung dieser Konsumform ist derzeit die lückenhafte und stark produktabhängige wissenschaftliche Evidenz4.
Für chronische Schmerzen reicht die Datenlage zu topischem CBD bislang nicht für klare allgemeine Aussagen zur Wirksamkeit aus2. In der Dermatologie liegen erste Forschungsergebnisse vor, unter anderem zu entzündlichen Hauterkrankungen, die jedoch noch keine abschließende Bewertung der Wirksamkeit erlauben3.
Entscheidend ist außerdem die Unterscheidung zwischen topischer und transdermaler Anwendung. Ebenso sollten kosmetische Produkte nicht mit als Arzneimittel geprüften und zugelassenen Produkten gleichgesetzt werden9.
Cannabis-Cremes & Salben sind damit weder grundsätzlich wirkungslos noch automatisch medizinisch wirksam. Ihre tatsächliche Bedeutung hängt von Wirkstoff, Konzentration, Formulierung, Anwendungsgebiet und der vorhandenen Evidenz ab.
Für mehr Informationen über verschiedene Konsumformen, besuche die Seite Cannabis-Konsumformen.
FAQ
Machen Cannabis-Cremes & Salben high?
Bei klassischer topischer Anwendung ist ein Cannabisrausch nach der bisherigen Datenlage nicht zu erwarten. In einer Humanstudie wurden nach wiederholter Anwendung THC-haltiger Salben keine Cannabinoide in Blut oder Urin nachgewiesen1. Speziell entwickelte transdermale Systeme können Cannabinoide zwar in den Blutkreislauf transportieren; psychoaktive Effekte wurden bei dem untersuchten System jedoch ebenfalls nicht berichtet6.
Wirken Cannabis-Cremes & Salben gegen Schmerzen?
Bislang reicht die Datenlage nicht für eine allgemeine Aussage zur Wirksamkeit aus. Eine systematische Evidenzbewertung stuft die Daten zu topischem CBD bei chronischen Schmerzen als unzureichend ein2.
Was ist der Unterschied zwischen topisch und transdermal?
Bei einer topischen Anwendung steht eine Wirkung an oder in der Haut im Vordergrund. Transdermale Systeme sind dagegen darauf ausgelegt, Wirkstoffe durch die Haut in den Blutkreislauf zu transportieren und dadurch systemische Wirkstoffspiegel zu erzeugen4, 6.
Quellen
Ausklappen
- Hess C., Krämer M., Madea B.: Topical application of THC containing products is not able to cause positive cannabinoid finding in blood or urine. Forensic Science International, 2017. – https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28122323/
- Chou R. et al. Living Systematic Review on Cannabis and Other Plant-Based Treatments for Chronic Pain: 2025 Update. Agency for Healthcare Research and Quality, 2025. – https://effectivehealthcare.ahrq.gov/products/plant-based-chronic-pain-treatment/living-review
- Kuzumi A. et al. Cannabinoids for the treatment of autoimmune and inflammatory skin diseases: A systematic review. Experimental Dermatology, 2024. – https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38532572/
- Scholfield C. N., Waranuch N., Kongkaew C.: Systematic Review on Transdermal/Topical Cannabidiol Trials: A Reconsidered Way Forward. Cannabis and Cannabinoid Research, 2023. – https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/35605018/
- Junaid M. S. A., Tijani A. O., Puri A., Banga A. K.: In vitro percutaneous absorption studies of cannabidiol using human skin: Exploring the effect of drug concentration, chemical enhancers, and essential oils. International Journal of Pharmaceutics, 2022. – https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/35124116/
- Varadi G. et al. Examining the Systemic Bioavailability of Cannabidiol and Tetrahydrocannabinol from a Novel Transdermal Delivery System in Healthy Adults: A Single-Arm, Open-Label, Exploratory Study. Advances in Therapy, 2023. – https://link.springer.com/article/10.1007/s12325-022-02345-5
- Heineman J. T. et al. A Randomized Controlled Trial of Topical Cannabidiol for the Treatment of Thumb Basal Joint Arthritis. Journal of Hand Surgery, 2022. – https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/35637038/
- D’Andre S. et al. Topical Cannabidiol for Established Chemotherapy-Induced Neuropathy: A Pilot Randomized Placebo-Controlled Trial. Cannabis and Cannabinoid Research, 2024. – https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/39016024/
- European Union Drugs Agency: Cannabis laws in Europe FAQ: What laws cover medical and commercial cannabis-derived products?, 2026. – https://www.euda.europa.eu/publications/faqs/cannabis-laws-in-europe-faq/medical-and-commercial-cannabis-derived_en
- Gemeinsamer Bundesausschuss: FAQ zur Verordnung von medizinischem Cannabis. – https://www.g-ba.de/themen/arzneimittel/arzneimittel-richtlinie-anlagen/faq-medizinisches-cannabis/
- Fava A. L. M. et al. Evidence of Cannabidiol Effectiveness Associated or Not with Tetrahydrocannabinol in Topical Administration: A Scope Review. Pharmaceuticals, 2024. – https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38931415/
- Lucas C. J., Galettis P., Schneider J.: The pharmacokinetics and the pharmacodynamics of cannabinoids. British Journal of Clinical Pharmacology, 2018. – https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30001569/
Hinweis: Die Inhalte dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine medizinische Beratung/Diagnose und keine Rechtsberatung.
